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Am Boden

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Mensch ist ein Gewohnheitstier, bei vielen Routineabläufen des täglichen Lebens übernimmt der humane Autopilot die Steuerung, wir lehnen uns (geistig) zurück und "lassen machen". Das erfordert weniger aktive Aufmerksamkeit und läuft meist kontrolliert ab …

 

Routinewege (ins Büro oder zum Supermarkt) werden im Zombiemodus runtergespult, die Gedanken hängen oft hoch in den Wolken. Und ganz ehrlich, wer zeigt schon gesteigertes Interesse an urbaner Bodenversiegelung unter unseren Füßen? Beton, Asphalt, Hundeexkremente? Pflastersteine, Müll und Taubendreck? Na eben! Oder doch? Nun ja, lasst es mich so ausdrücken: "Leute, schaut doch mal nach Unten (anstatt auf euer mobiles Wischteil)..."

Bei „Boden“ im städtischen Ballungsraum handelt es sich fast ausschließlich um anthropogen modifizierte Flächen. Unterschiedliche Arten der Versiegelung (Streichasphalt, Beton, Granitstein, Pflasterstein, Metall,...) werden ab und an von "naturnahen" Einsprengseln (Blumenbeete – in Wien auch als Rabattln bezeichnet, Baumscheiben, Hundezonen, be-hackschnitzelte Kinderspielplätze) unterbrochen. Selten darf Natur wie sie will … das Stadtgartenamt ist da ziemlich streng.

Der Boden unter unseren Füßen bietet aber immer wieder Raum für Überraschungen und Aha-Effekte. Politische und andere Botschaften tauchen plötzlich am Boden auf (und wir gehen einfach darüber hinweg?)... Streetart in Form von Graffiti, Stencils und Kinderkreidezeichnungen versuchen den öffentlichen Raum zurückzugewinnen oder zumindest einen Gegenpol zu dessen Kommerzialisierung aufzuzeigen.

Auch wenn diese Ansätze weit hinter „vertikaler“ Streetart (ebenfalls in Form von Graffiti u.ä.) zurücksteht, so zeigt diese Art der Rück-Inbesitznahme öffentlichen Raums die Problematik auf, in der urbane Gesellschaften stecken: dem "Fahr"- oder zu 95% der Zeit "Steh"zeug Auto wird überproportional viel Platz eingeräumt. „Leben auf der Straße“ ist ein Widerspruch und reduziert sich auf das Passieren räumlicher Distanzen. "Was wäre wenn" … zeigen manches mal lokale Sommergrätzlaktionen auf, die stundenweise Sperre sonst befahrener Straßen wirken erfrischend auf nachbarschaftliche Beziehungen. 

Galerie "Am Boden I (Message)" 
Galerie "Am Boden II (Kunst)"

Doch auch alltägliche „Objektkunst“ liegt am Boden: Lebensmittel aller Art (oder auch nur deren Überreste), ganz allgemeine Produkte des (täglichen) Konsums oder nicht fachgerecht entsorgter Müll sind Beiwerk urbaner Wege, ja bilden manches mal phantastische Objekte eines ästhetischen Verfalls.

Galerie "Am Boden V (Objekte)"
Galerie "Am Boden III (Essen)"

Doch auch die städtische Natur - ein nur scheinbarer Widerspruch, der bei genauerer Betrachtung die Rückeroberungstendenzen wilder Gräser, Sträucher, Unkräuter beinhaltet – zeigt ihren permanenten Wandel am harten Boden betonierter, urbaner Realität.

Galerie "Am Boden IV (Natur)"

Zudem sollten auch die zahlreichen, StVO – tauglichen Markierungen in Betracht gezogen werden, die durch wiederkehrende Muster, Piktogramm-Stil oder andere interessante graphische Elemente das (photographische) Auge magnetisch anziehen. (Baustell-)Farbmarkierungen, Spuren aller Art und die eingangs erwähnten Hundstrümmerl (bzw. deren verschmiert-vertragenen Überbleibsel) runden das städtische Bodenbild ab.

Galerie "Am Boden VI (Markierung)"

Na, auch Lust bekommen, urbanes Trottoir zu inspizieren? Willkommen am Boden der Realität.